Saarländisches Bündnis gegen Depression

Depression und Migration 

Kulturelle Unterschiede im Erleben von Depressionen können dazu führen, dass die Erkrankung bei Migranten spät oder gar nicht diagnostiziert wird. Zudem besteht häufig eine sprachliche Hürde (Fach-)ärzte oder Psychotherapeuten aufzusuchen und es gibt wenige muttersprachliche Hilfsangebote im psychiatrischen und psychothera-peutischen Bereich. Folge sind eine geringere Inanspruchnahme von Gesundheitsleistungen und ein Versorgungsdefizit betroffener Migranten. Zugleich sind Menschen mit Migrationshintergrund aufgrund des Migrationsprozesses aber einer Reihe von Belastungs-faktoren ausgesetzt, die eine Depression begünstigen können, wie z.B. Verlust sozialer und materieller Ressourcen oder die Konfrontation mit der fremden Sprache und Kultur. Das Saarländische Bündnis will deshalb 2012 spezielle Veranstaltungen zum Thema Depression und Migration anbieten, mit dem Ziel einer verbesserten Information, Aufklärung und Versorgung ausländischer Mitbürger.

 

Untersuchungen aus Deutschland zeigen eine - zum Teil erheblich - niedrigere Inanspruchnahme psychiatrischer und psychothera-peutischer Einrichtungen durch Migranten im Vergleich zur einheimischen Bevölkerung. Auf struktureller Seite besteht für viele Migranten die Schwierigkeit, muttersprachliche Hilfsangebote im psychiatrischen oder psychotherapeutischen Bereich zu finden. Verzögerte Inanspruchnahme von Hilfseinrichtungen kann zudem in Angst vor Verlust des Arbeitsplatzes oder des aufenthaltsrechtlichen Status sein. Der Mangel an entsprechenden Anlaufstellen führt dazu, dass psychische Erkrankungen häufig nicht von "Fachleuten" behandelt werden und ein Defizit in der Versorgung u.a. depressiver Erkrankungen für Migranten besteht. Zudem gibt es kulturelle Unterschiede im Verständnis von Krankheiten: z.B. in der Wahrnehmung, in der Symptomatik und im Umgang mit Depression: Es ist die gleiche Krankheit, aber das Erscheinungsbild ist unterschiedlich: Während die einen über Antriebslosigkeit und innere Leere klagen, äußert sich die Depression bei anderen in Form von körperlichen Schmerzen. Dass hinter körperlichen Beschwerden psychische Ursachen stecken, ist für viele aufgrund eines anderen Krankheitsverständnisses oft eine neue Erfahrung. Ebenso neu kann es sein, außerhalb der Familie über seelische Probleme zu sprechen, psychische Erkrankungen sind häufig noch stark tabuisiert. Es besteht demnach Bedarf an Material zur Aufklärung über Depressionen in verschiedenen Sprachen, aber auch ein Netzwerk muttersprachlicher (Haus-)ärzte und Therapeuten, die Betroffene behandeln können.